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Rolle Rückwärts in München: Diese Fragen sollte man sich stellen


Bereits diesen Mittwoch soll die Entscheidung fallen: München will bis 2021 die Nutzung des GNU/Linux-Desktop-Clients “LiMux” beenden und damit ein erfolgreiches Leuchtturmprojekt beenden. Ich habe dazu einen ausführlichen Artikel auf Netzpolitik.org veröffentlicht. Bürger haben ein Recht darauf, dass der Stadtrat verantwortungsvoll und professionell arbeitet. Angesichts der Tragweite der Entscheidung sollte auf jede der folgenden Fragen den beteiligten Stadträten die Antwort daher bereits vorliegen. Gerne dürfen diese Fragen auch als Grundlage verwendendet werden um die Entscheidungsträger zu kontaktieren.

Die drängendsten Fragen zur Entscheidung über die zukünftige IT Startegie in München

  • Warum ignoriert der Stadtrat mit seiner Entscheidung die von ihm selbst beauftragten Studien (MitKonkret, it@M Plus, Accenture) welche alle übereinstimmend mit der it@M die Organisationsstrukturen als Ursprung aller Probleme erkannt haben?
  • Existiert ein Zusammenhang zwischen dem Umzug von Microsoft nach München und der Rückkehr zu Microsoft?
  • Wieso werden immer wieder kostenintensive Gutachten und externe Firmen beansprucht, wenn der Stadtrat letztendlich diesen Empfehlungen nicht folgt? Siehe u.a. auch bereits Mitkonkret, die damals eine volle GmbH oder ein IT-Referat empfohlen haben aber von einer Mischform abrieten.
  • Auf wessen Kompetenz fundiert der Stadtratsbeschluss und die darin enthaltene Einschätzung dass Accenture, it@M und alle beteiligten IT-Experten falsch liegen und die Ursachen sich mit einer technologischen Entscheidung lösen ließen?
  • Diese Entscheidung des Stadtrates hat tiefgreifende technische Konsequenzen. Welcher IT-Architekt hat den Stadtrat diesbezüglich beraten und entschieden, dass die kostenintensive Umstellung auf Microsoft Windows eine notwendige Maßnahme ist?
  • Wie glaubt der Stadtrat in zwei Jahren eine komplett neue Infrastruktur zu schaffen angesichts der Tatsache dass auch die bestehende Infrastruktur mit der geplanten Grösse ihre Schwierigkeiten hat. Wie sollen in diesem Zeitraum 30.000 Mitarbeiter geschult, über 9.000 Vorlagen umgebaut, Wollmux und hunderte von komplexen Makros ersetzt werden?
  • Ist dem Stadtrat bewusst, wie er durch den Antrag die Leistung der IT-Mitarbeiter der Stadt herabwürdigt und dass dieses Verhalten die Attraktivität der Landeshauptstadt München als Arbeitgeber für kompetente IT-Spezialisten nachhaltig schädigt?
  • Was passiert mit den Mitarbeitern, die zur Zeit für den Basisclient und LibreOffice entwickeln? Werden diese entlassen oder wird ihnen eine angemessene Zeit zur Umschulung gegeben?
  • Welche Auswirkung hat diese Entscheidung auf den Betrieb der GNU/Linux-Server und das erst kürzlich neu aufgebaute Rechenzentrum der Stadt?

Weiter Fragen die man sich zu dem Thema stellen sollte

  • Wieso glaubt der Stadtrat an, Fachentscheidungen besser treffen zu können als die mit dem Thema beauftragten Fachleute?
  • Haben die Stadträte des Antrags geschäftliche Verbindungen zu Microsoft oder Microsoft-nahen Firmen?
  • Auf welcher Basis wurde entschieden, dass Windows das geeignete System sei?
  • Die Entscheidung ist nicht produktneutral und benachteiligt u.a. deutsche Anbieter und den Wirtschaftsstandort München. Ist das legal oder drohen der Stadt und den für die Entscheidung Verantwortlichen rechtliche Konsequenzen und Regressforderungen?
  • Erratische und unabgestimmte Entscheidungen können auch dazu führen dass viele Firmen bei Ausschreibungen der Landeshauptstadt München in Zukunft nicht mehr teilnehmen. Wie will der Stadtrat dies verhindern wenn Ausschreibungen, Projekte und betriebsfähige Software durch diese Entscheidung einfach weggeworfen werden?
  • Soll die technische Umstellung die notwendige administrative Umstellung ersetzen?
  • Wie verhält sich die geplante Entscheidung zum Teil der Entscheidungsvorlage in der die Notwendigkeit einer heterogenen, von Windows unabhängigen, Infrastrukturstrategie hervorgehoben wird?
  • Wie verhält sich diese Entscheidung insbesondere zu der “Web First”-Strategie, welche ebenfalls in der Entscheidung angesprochen wird?
  • Es gab schon in der Vergangenheit Gerüchte, dass der Stadtrat sich nicht an die Vorgaben der Stadt gehalten hat und unbetreute Windowsclients im Backbone der Stadt oder für Stadtratsaufgaben eingesetzt hat. Dies wäre u.A. eine grob fahrlässige Gefährdung der IT-Sicherheit. Entsprechen diese Gerüchte den Tatsachen?
  • Worauf begründet der Stadtrat seinen Optimismus, dass es keine Reibungsverluste zwischen den DiKas, der GmbH und dem Eigenbetrieb geben wird?
  • Soll der Stadtratsbeschluss zu einer Abschaffung der städtischen Infrastruktur führen bei der alle Daten der Bürger in der Accenture/Microsoft-Cloud gespeichert werden?
  • Wie sieht der Stadtrat die Gewährleistung des Datenschutzes, insbesondere angesichts der Executive Order von Präsident Trump welche den Datenschutz für nicht-US-Bürger abgeschafft hat.
  • Der Stadtrat zwingt mit dieser Entscheidung die Bürger der Landeshauptstadt München zum Einsatz von Microsoft Office für die Kommunikation mit der Verwaltung. Übernimmt der Stadtrat auch die Kostenfolgen dieser Entscheidung für die Bürger die aktuell nicht über Microsoft Office verfügen?
  • Der Stadtrat hat verlauten lassen, dass der Dokumentenaustausch wegen mangelnder Kompatibilität problematisch sei. Auf welche Art und Weise hat der Stadtrat vor, den Austausch von Dokumenten per E-Mail auszubauen? Angesichts von Viren, Erpressungs-Crypto-Trojanern und staatlichen Angreifern mit dem Ziel der Wirtschaftsspionage und
    Manipulation scheint dieses Ziel in die falsche Richtung zu gehen. Stellt dies nicht eine Gefährdung der Sicherheit der städtischen IT durch die Entscheidung des Stadtrats dar?
  • Wie beeinflusst die Entscheidung des Stadtrats die Kosteneffizenz des Gutachtens?

Werkzeugkasten Freie Software


Open Education Resources

Nach viel Arbeit, die dank einem tollen Autoren-Team und Herausgeber mindestens genauso viel Spaß gemacht hat, freue ich mich das der Werkzeugkasten Freie Software veröffentlicht wurde. Ganz im Sinn der Open Education Resources ist der Werkzeugkasten unter der Creative Commons By-SA Lizenz erhältlich. Damit können alle Inhalte im und außerhalb des Unterrichts frei verwendet werden, solange die Quelle benannt wird. Auch Anpassungen und Erweiterungen sind durch die Lizenz erlaubt. Hierfür steht der vollständige Werkzeugkasten als HTML, PDF, DOCX und ODT zum Download bereit.


Das Konzept Freie Software ist für die Schule wie geschaffen. Freie Software erlaubt es die Software für jeden Zweck zu verwenden, sie zu untersuchen, anzupassen und weiterzugeben. Dadurch können Schüler ohne Hindernisse, wie restriktive Lizenzen, mit der Software ihrer Wahl arbeiten. Durch die Möglichkeit die Software frei zu kopieren ist sicher gestellt, dass alle Schüler die gleichen Chancen haben und der Erfolg im Unterricht nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Beim Einsatz Freier Software kann auch der Lehrer bedenkenlos die Software an die Schüler ausgeben, so dass zu Hause und in der Schule mit der selben Software gearbeitet werden kann. Schüler können zusammen lernen und die Software untereinander austauschen, dies ist eine Art der Zusammenarbeit wie sie in vielen anderen Bereichen der Schule selbstverständlich ist. Da Software fachübergreifend in nahezu jedem Bereich eingesetzt wird, kommt ihr eine besondere Bedeutung bei der Frage zu, welche Art des Miteinander und der Zusammenarbeit wir in Schulen vermitteln wollen.
Sollte die Neugier groß genug sein, ermöglicht Freie Software auch das sich die Schüler das Innenleben der Software anschauen und diese vielleicht sogar selber anpassen. Dadurch können Schüler spielerisch ein besseres Verständnis für die Technologie erwerben die sie im Alltag umgibt. Grundzüge dieser Technologie zu verstehen wird in Zukunft genauso wichtig sein wie das Lesen und Schreiben. Mit Freier Software haben Schulen die einmalige Gelegenheit Schülern nicht nur die Bedienung einer Black-Box beizubringen, sondern zur Erlangung nachhaltigem Wissens beizutragen.

Proprietäre Software verwendet oft seine ganz eigenen, undokumentierten Dateiformate. Dadurch besteht die Gefahr das man frühzeitig Dokumente in Formaten anhäuft welche man in Zukunft entweder gar nicht mehr lesen kann oder die einen dazu zwingen weiterhin Software des gleiche Herstellers einzusetzen. Dieser Lock-In Effekt ist einer der Gründe warum Hersteller ihre proprietäre Software oft bereitwillig günstig oder vollständig kostenlos an Schulen ausgegeben. Man sollte sich gut überlegen ob man ein solches zweifelhaftes “Geschenk” annehmen will. Im Gegensatz dazu basiert Freie Software oft auf standardisierten Dateiformaten. Diese erhöhen die Chancen, dass man seine Dokumente auch noch viele Jahre nach der Erstellung lesen und weiterverarbeiten kann. Auch die Möglichkeiten die Software zu wechseln sind dadurch deutlich besser.

Ich hoffe, dass es uns mit dem Werkzeugkasten Freie Software gelungen ist sowohl die grundlegenden Prinzipien und Vorteile Freier Software zu vermitteln, also auch ganz konkrete Softwarelösungen und Einsatzmöglichkeiten für den Alltag in der Schule vorzustellen. Ich bin schon sehr gespannt wie das Ergebnis angenommen wird und freue mich über jede Art von Rückmeldung.

Freie Software im Koalitionsvertrag Baden-Württemberg


Landeswappen Baden-Württemberg

Am 13. März wurde in Baden-Württemberg der neue Landtag gewählt. Die nächsten 5 Jahre werden politisch von einer Koalition aus Bündnis 90/Die Grünen und der CDU gestaltet. Am letzten Wochenende wurde hierfür der Koalitionsvertrag von beiden Parteien bestätigt. Ich nahm diese Gelegenheit zum Anlass, um mir den Koalitionsvertrag genauer anzusehen, insbesondere mit Blick auf Freie Software. Dabei wurde ich an mehreren Stellen fündig.

So heißt es im Abschnitt “Chance zur Entbürokratisierung”:

Wir werden die E-Government-Richtlinien und das Beschaffungswesen des Landes bei der IT-Beschaffung in Richtung Open Source weiterentwickeln.

Dies ist sehr zu begrüßen. Unter anderem fordern Organisationen wie die Free Software Foundation Europe (FSFE) oder die Open Source Business Alliance (OSBA) schon seit längerem, dass durch die Öffentlichkeit finanzierte Software unter einer Freie-Software-Lizenz veröffentlicht werden soll und dass bei Ausschreibungen Freie Software stärker beachtet wird. Gerade in diesem Jahr möchten beide Organisationen hierzu auch verstärkt aktiv werden.

Weiter heißt es im selben Abschnitt:

Auch die Bereitstellung freier Software und offener Bildungsressourcen (OER) durch das Landesmedienzentrum begrüßen und unterstützen wir.

Gerade Schulen, in denen die nächste Generation mit Software und Bildungsressourcen zum ersten Mal systematisch in Kontakt kommt, ist es von großer Bedeutung, dass von Anfang an ein Verständnis dafür entwickelt wird, wie man im Informationszeitalter nachhaltig Wissen und Information erarbeitet und veröffentlicht. Wie könnte dies besser geschehen als durch den praktischen Einsatz von Freier Software und freien Lerninhalten?

Im Abschnitt “Allianz Wirtschaft 4.0 für die Digitalisierung im Mittelstand” ist sogar ein ganzer Abschnitt Freier Software gewidmet. So heißt es dort:

Kleine und mittlere IT-Unternehmen im Land sind besonders aktiv in der Entwicklung von freier, quelloffener Software (Open Source) und in den damit verbundenen Dienstleistungen. Open Source bietet ebenso wie freie Standards und offene Formate große Chancen für ein herstellerunabhängiges Software-Ökosystem. Diese Ansätze wollen wir unterstützen.

Hier wird zurecht der Vorteil Freier Software zur Stärkung des Standorts gewürdigt. Freie Software ermöglicht es, lokale Unternehmen zu fördern und sowohl Wissen als auch Wirtschaftsleistung im Land zu halten. Darüber hinaus wird auf die Wichtigkeit eines herstellerunabhängigen Software-Ökosystems hingewiesen. Man darf gespannt sein, wie die konkrete Unterstützung und Förderung in den nächsten Jahren aussehen wird.

Der Abschnitt “DIGITAL@BW: Schulen mit Digitalisierung und Medienkompetenz” wird noch einmal ausführlicher auf die Rolle von Freier Software und Open Education Resources (OER) eingegangen:

Wir werden die pädagogisch begleitete Nutzung von E-Learning-Programmen im Unterricht vorantreiben und ihr Potenzial hin zu einer genau auf den einzelnen Schüler abgestimmten individuellen Förderung erschließen. Digitale Medien sind fächerübergreifend ebenso wie im Fachunterricht hilfreich. Entscheidend ist weniger die Technik als vielmehr das pädagogische Konzept. Wir setzen uns dafür ein, dass an den Schulen verstärkt freie Lern- und Lehrmaterialien (Open Educational Resources und Freie Software) genutzt werden können.

Gerade bei der fortschreitenden Digitalisierung der Schulen besteht die Gefahr, dass mit dem Einsatz von proprietärer Software frühzeitig Produktschulung betrieben wird, anstelle dass Konzepte gelehrt werden. Des Weiteren kann es schnell passieren, dass der Unterricht mehr oder weniger direkt zur Werbung für einzelne Unternehmen und Produkte genutzt wird. Auch darf der Lock-In Effekt nicht unterschätzt werden. Haben Schüler über viele Jahre hinweg gelernt, mit einer bestimmten Software zu arbeiten und viele Dokumente in proprietären Formaten erstellt, wird ein späterer Wechsel viel schwieriger. Dieses Risiko kann gemindert werden, indem die Schulen darauf achten, dass Dokumente in offen standardisierten Formaten erstellt und bereitgestellt werden.

Es ist zu begrüßen, wenn durch den Einsatz von Freier Software und Offenen Standards eine Bindung an einzelne Programme oder Unternehmen verhindert oder zumindest reduziert wird. Dies gelingt natürlich nur, wenn der Unterricht auch entsprechend aufgebaut ist. Die Wahl von freien Werkzeugen und offen Bildungsressourcen sorgen aber schon einmal für gute Grundvoraussetzungen.

Die Bekundungen zu Freier Software, Offenen Standards und offenen Bildungsressourcen hören sich durchweg positiv an. Wie man aus vergangenen Koalitionsverträgen weiß, bedeutet das aber nicht immer, dass auch alles entsprechend umgesetzt wird. Von daher bleibt es spannend zu beobachten was in den nächsten fünf Jahren in Baden-Württemberg im Bezug auf Freie Software passiert. Ich werde es mit großem Interesse verfolgen und freue mich, wenn ich im Laufe dieser Zeit über konkrete Umsetzungen berichten kann.

140 Zeichen – Eine Menschenrechtsverletzung?


Gerade habe ich einen Bericht auf Zeit-Online über eine Matinee des Zeit-Verlages mit dem Titel “Demokratie 2.0” gelesen. Hierbei trafen Claudia Roth von Bündnis90/Die Grünen und Bernd Schlömer von der Piratenpartei zum ersten mal aufeinander. Während der Diskussion antwortete Frau Roth auf die Frage, ob sie denn auch twittere mit “Nein, denn für mich ist es fast eine Menschenrechtsverletzung, immer nur mit 140 Zeichen zu kommunizieren”.

Auch wenn es Frau Roth in dieser Situation vermutlich gar nicht bewusst war, so hat sie dennoch eine sehr wichtige Erkenntnis formuliert die weit über Twitter und dessen Zeichenbegrenzung hinaus geht. Internet und Computer bieten eine Unmenge von neuen Möglichkeiten. Sie revolutionieren die Art wie wir kommunizieren, lernen und arbeiten. Wir müssen aber aufpassen wer diese Medien kontrolliert und damit die Regel aufstellt, nach denen wir in Zukunft diesen Tätigkeiten nachgehen. Denn mit der Kontrolle dieser neuen Medien erhält man auch die Entscheidungshoheit darüber, wer mit wem in welcher Form kommuniziert kann, was unser Computer können und nicht zuletzt auch über den Zugang zu unseren Daten. Im Fall von Twitter sind das die zitierten 140 Zeichen und egal wie sehr jemand will oder wie dringlich es erscheint eine ausführlichere Antwort zu formulieren, die Regeln stehen fest und lassen keine Ausnahme zu.

Beim lesen des Berichts ist mir auch ein Beispiel von Lawrence Lessig aus seinem Buch “Code and other laws of Cyberspace” wieder eingefallen. Hier beschreibt er Chat-Räume bei AOL (American Online) die auf 23 Personen begrenzt sind. Aber warum genau 23? Warum nicht 22? Oder 24? Könnte die Anzahl der Teilnehmer nicht auch offen bleiben? Mit solchen Entscheidungen kann man sehr genau festlegen welche Möglichkeiten der Diskussion, der Teilhabe und der Verbreitung von Information möglich sind. Solche Entscheidungen können ein Werkzeug sehr mächtig und nützlich machen oder so stark einschränken, dass man es kaum noch sinnvoll nutzen kann. Die Macht die von der Möglichkeit ausgeht solche Regeln festzulegen ist enorm.

Unsere Kommunikation hängt heute immer mehr von Computern, dem Internet und damit in letzter Konsequenz von Software ab. Wer immer diese Software kontrolliert entscheidet über Zugang, Form und Möglichkeiten der Kommunikation. Wir als Gesellschaft sollten diese Kontrolle nicht einzelnen Unternehmen überlassen. Die Kontrolle über diese zentrale Infrastruktur der Informationsgesellschaft gehört in die Hände der Gesellschaft und wir sollten bei der Wahl unsere Werkzeuge sehr genau darauf achten wer diese eigentlich kontrolliert. Nur so können wir gesellschaftlichen Werte wie Chancengleichheit, Demokratie und auch die von Frau Roth richtig herangezogenen Menschenrechte im digitalen Zeitalter wahren. Dies ist keine graue Theorie, es gibt bereits Projekte die sich genau dies zum Ziel gesetzt haben, der Gesellschaft wieder die Kontrolle über ihr (digitales) Leben zurück zu geben. Angefangen von Computer-Systemen wie GNU/Linux über freie und dezentrale alternativen zu Twitter wie Status.Net, dezentralen und freien sozialen Netzwerken, bis hin zu freien sogenannten “Cloud” Lösungen, zum Beispiel in der Form von ownCloud.

Wir haben die Möglichkeit und die Verantwortung uns die richtigen Werkzeuge auszuwählen, mit denen wir uns in der digitalen Welt bewegen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unsere hart erkämpften Werte nur dann in das Informationszeitalter übertragen können wenn wir darauf achten, dass unsere Werkzeuge alle drei Anforderungen erfüllen:

  • Freie Software, so dass jeder die Software verstehen, anwenden, teilen und anpassen kann.
  • Offene Standards zusammen mit dezentralen Strukturen um uns unabhängig miteinander zu vernetzen und auszutauschen
  • Die volle Kontrolle über unsere Daten die wir Online bereitstellen, teilen und archivieren

Wenn wir alle zusammen darauf achten, dann kann sich Frau Roth zusammen mit uns allen ganz frei in der digitalen Welt bewegen, an Diskussionen und Entscheidungen teilnehmen und, um den Kreis zu schließen, dabei völlig frei entscheiden wie viel Zeichen sie dafür benötigt.

Rückblick auf den Augsburger Linux-Infotag 2012


Letztes Wochenende war es wieder so weit, der “Augsburger Linux-Infotag” stand vor der Tür. Dank der Organisation von Rolf und Wolfgang war die FSFE auch dieses Jahr wieder mit einem Stand vertreten. Auch durch die strategisch gute Position unseres Standes, ungefähr in der Mitte des Gangs direkt gegenüber den Räumen in denen die Vorträge statt fanden,  konnten wir uns über zahlreichen Besuch an unserem Stand zwischen den Vorträgen freuen. Wie sich bereits in den letzten Wochen abzeichnete, war das Thema “Free Your Android” eines der meist diskutierten und gefragten Themen an unserem Stand. Viele Besucher waren daran interessiert, was sich hinter dem Slogan verbirgt, wie sie ihr Android befreien können bzw. auf was sie beim Kauf eines neuen Handys achten sollten um möglichst problemlos ein alternatives Android-System installieren zu können.

Neben dem Stand habe ich dieses Jahr einen Vortrag über die bevorstehenden Herausforderungen für die Freie Software Bewegung gehalten. Ziel des Vortrags war es neue Entwicklungen aufzuzeigen und Denk- bzw. Diskussionsanstöße zu geben, wie wir als Freie Software Gemeinschaft auf diese Herausforderungen reagieren können. Die Themen des Vortrags reichten von RestrictedBoot und der Frage “Wer entscheidet in Zukunft darüber, was wir auf unseren Computer installieren können?” über Cloud Computing und Verteilte soziale Netzwerke bis hin zu der Frage, wie wir mit der Herausforderungen umgehen, vor die uns neue Geräte wie Tablets und Smartphones stellen, die immer mehr den klassischen PC ablösen. Von den Tablets und Smartphones habe ich dann noch den Bogen zu Freier Software, eBooks und Tablets in der Schule gespannt und abschließend noch das Thema Offene Standards angesprochen, was so kurz vor den Document Freedom Day natürlich nicht unerwähnt bleiben konnte. Der Vortrag wurde mit großem Interesse aufgenommen. Die Themen Freie Software in Schulen und verteilten sozialen Netzwerke haben am meisten Zustimmung gefunden und für reichlich Diskussionsstoff im Anschluss an den Vortrag gesorgt.

Insgesamt war der Augsburger Linux-Infotag eine schöne Veranstaltung mit vielen interessanten Diskussionen, sowohl während meines Vortrags als auch an unserem Info-Stand. Für mehr Eindrücke von der Veranstaltung findet man hier weitere Bilder.

Freie Software Unterstützen – “I joined the Game”


I joined the Game!“Join the Game” wurde auf dem diesjährigen Linuxtag vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Programm des KDE e.V., welches es ermöglicht das KDE Projekt finanziell zu unterstützen.

Als ich davon gelesen hatte musste ich spontan an die FOSDEM 2005 denken. Damals startete die Free Software Foundation Europe (FSFE) das Fellowship Programm. Ohne lange darüber nachzudenken wurde ich noch am selben Tag ein Fellow. Ähnlich schnell entschied ich mich dazu bei “Join the Game” mitzumachen. Während die FSFE mit ihrer politischen und gesellschaftlichen Arbeit für ein Umfeld und ein Bewusstsein sorgt, in dem Freie Software entstehen und wachsen kann, deckt KDE den praktischen Teil freier Software ab. Daher war “Join the Game” für mich ein logischer Schritt und die perfekte Ergänzung zu meiner mittlerweile langjährigen Unterstützung der FSFE (sowohl finanziell als auch durch ehrenamtliche Mitarbeit).

“Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt” (Mahatma Gandhi)

Auch du kannst Freie Software unterstützen! Neben dem Fellowship und “Join the Game” gibt es selbstverständlich noch viele weitere Möglichkeiten um Freie Software zu fördern (sowohl finanziell als auch durch Mitarbeit). Eine einfache Möglichkeit Freie Software ganz nebenbei zu fördern besteht darin, seine Bücher bei Bookzilla zu kauft oder im Fall von Amazon dieses Firefox-Plugin zu verwenden. Damit geht bei jedem Einkauf automatisch eine kleine Provision an die FSFE.

Software Freedom Day in Offenburg


Letzten Samstag durfte ich den diesjährigen Software Freedom Day (SFD) an der FH Offenburg feiern. Organisiert wurde die Veranstaltung von der LugOG und der FreieSoftwareOG-Gemeinschaft. Es wurde ein abwechslungsreiches Programm mit zwei Vortragsreihen zusammengestellt. Dabei hatte ich die Ehre die Keynote zu halten. Beim Thema habe ich mich von Reinhard Müller und dem “Mach dich Frei!”-T-Shirt der FSFE inspirieren lassen. Nach dem Feedback zu urteilen ist der Vortrag sehr gut angekommen, daher werde ich diesen in der einen oder anderen Form sicher wiederverwenden. Die Folien dazu gibt es hier.

Software Freedom Day 2010

Der Software Freedom Day (SFD) ist eine jährliche, weltweite Veranstaltung. Hierzu werden lokale Veranstaltungen auf der ganzen Welt organisiert um über Freie Software zu informieren. Dieses Jahr wurde der “Tag der Freien Software” mit Rund 400 Veranstaltungen gefeiert!

DRM – Digitale Rechteminderung


DRM beschreibt ein System, welches entwickelt wurde um die Verwendung digitaler Werke zu kontrollieren und zu überwachen. Typische DRM-Systeme werden auf Textdokumente, Musik und andere Medien angewandt. Mit DRM entscheidet der Computer bzw. der Programmierer der Software darüber, ob du einen Text lesen, drucken oder kopieren kannst, ob du ein Musikstück anhören kannst und wenn ja mit welchen Geräten oder in welchen Ländern du deine gekaufte DVD abspielen kannst.
Hierdurch wird dem Anwender die Kontrolle über seine Daten und seine Geräte entzogen. Diese Entwicklung ist auch mit Blick auf unsere Demokratie bedenklich, da DRM nicht nur den Anwender bevormundet sondern auch die staatliche Regulierung unterläuft. Werden solche Systeme eingesetzt, dann entscheidet nicht mehr der Staat über erlaubte und regulierte Handlungen sondern die Produzenten der Medien und der Geräte entscheiden in letzter Instanz welche Rechte der Anwender hat.

Neben diesen klassischen Einsatzfeldern von DRM werden solche Systeme heute auch eingesetzt um sicherzustellen, dass ein Gerät nur Software ausführt welche vom Hersteller signiert wurde. Diese Art von DRM ist auch unter dem Namen Tivoisierung bekannt, angelehnt an eine Firma welche digitale Videorecorder mit dieser Art von DRM ausrüstet. Hierdurch ist es zum Beispiel möglich dem Anwender die Freiheiten, welche ihm Freie Software bietet, zu verwehren.

Befürworter solcher Systeme möchten, dass wir DRM als “digitales Rechtemanagement” verstehen. In der Realität werden solche Systeme aber dazu verwenden um die Rechte der Anwender einzuschränken, oft über die eigentlichen Grenzen des Urheberrechts hinaus. Daher sprechen viele Leute im englischen gerne von “Digital Restrictions Management”. Die deutsche Übersetzung hierzu “digitales Restriktionsmanagement” war für mich sprachlich nie eine optimale Lösung. Durch das Editorial “Verlesene Rechte” der Zeitschrift iX bin ich auf den Begriff “digitale Rechteminderung” aufmerksam geworden, welcher wohl schon vor ein paar Jahren durch die Frankfurter Allgemeine geprägt wurde. Digitale Rechteminderung halte ich sowohl sprachlich als auch inhaltlich für eine treffende Bezeichnung von DRM-Systemen und werde diese in Zukunft verwenden.

Fellowship Treffen Stuttgart – Freie Software in der Bildung


In den letzten Monaten gab es leider keine Treffen der Fellowship-Gruppe Stuttgart. Das wollen wir im Jahr 2010 wieder ändern! Daher möchte wir euch am Donnerstag, den 11. Februar zum Fellowship-Treffen in Stuttgart einladen. Wir werden uns in Sophies Brauhaus ab 20 Uhr treffen.


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An diesem Tag wird auch Thomas Jensch, Koordinator des Edu-Teams der FSFE, anwesend sein. Thomas wird über den aktuellen Stand des Edu-Teams, geplante Aktivitäten und allgemein über Freie Software in der Bildung berichten. Wenn Ihr euch für das Thema interessiert oder schon selber Erfahrung mit Freier Software in der Bildung gesammelt habt, dann ist dieses Treffen genau das richtige für euch. Gerne dürft Ihr auch Freunde und Bekannte mitbringen die sich allgemein für Freie Software oder gezielt für Freie Software in der Bildung interessieren.

Wenn darüber hinaus noch etwas Zeit bleibt, dann würde ich die Gelegenheit gerne nutzen um mit euch über den Neustart eines regelmäßigen Fellowship-Treffen in Stuttgart zu sprechen. Was sind eure Interessen? Was erwartet bzw. erhofft Ihr euch von einem regelmäßigen Fellowship-Treffen in Stuttgart? usw.

Thomas und ich freuen uns schon darauf euch am Donnerstag, den 11. Februar in Stuttgart zu treffen.

Um einen ausreichend großen Tisch reservieren zu können, würde ich mich über eine kurze Rückmeldung freuen!

Freie Software – Mehr als nur ein Entwicklungsmodell


SOFa-LogoFreie Software – Mehr als nur ein Entwicklungsmodell, dass war der Titel meines Vortrags auf der diesjährigen Stuttgart Open Fair (eine Parallelveranstaltung zum Weltsozialforum) im Rahmen des Workshops “Gemeingüter zwischen traditionellem Wissen und neuartigen Produktionsweisen”.

Der Workshop war gut besucht und es ergaben sich während und nach dem Vortrag noch interessante Diskussionen. Die Folien zu meinem Vortrag findet man hier.

Ich habe zum ersten mal einen anderen Ansatz versucht und meine Folien hauptsächlich mit Bildern gestaltet, welche das aktuelle Thema optisch unterstreichen sollten. Nach ersten Rückmeldungen kam dies Art der Präsentation und der Vortrag im allgemeinen gut an.

Da die Folien, durch weniger Text und mehr Bildern, diesmal nicht ganz so aussagekräftig sind, möchte ich an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung des Vortrags geben:

Angefangen habe ich mit der Freie-Software-Definition, um dem sehr gemischten Publikum eine kleine Einführung in Freie Software zu geben. Anschließend habe ich versucht zu veranschaulichen, wie sehr unser Leben heute von Software durchdrungen ist. Eine Interessante Zahl die ich in dem Zusammenhang aus einem Vortrag von Georg Greve habe: Der Mensch interagiert im Durschnitt pro Tag 300 mal mit Software. Eine erstaunliche Zahl, wie ich finde.
Ausgehend von der Erkenntnis, wie sehr unser Leben heute von Software durchdrungen ist und wie viele unserer täglichen Handlungen von Software abhängig sind habe ich gesellschaftlichen Implikationen von Software, wie Chancengleichheit und Demokratie, angeschnitten. Den Bereich Chancengleichheit habe ich auf zwei Arten veranschaulicht. Als erstes Beispiel diente Freie Software in der Bildung, durch dessen Einsatz alle Schüler die gleichen Chancen im Unterricht haben. Das zweite Beispiel bezog sich auf Entwicklungsländer, denen Freie Software die Möglichkeit bietet am Wissen der Industriestaaten zu lernen um eigenes Wissen und eine eigene Industrie aufzubauen. Zum Bereich Demokratie habe ich ausgeführt, wie Freie Software es ermöglicht die Regeln (“Gesetze”) der Informationsgesellschaft zu verstehen und diese als Gesellschaft zu kontrollieren und zu beeinflussen.
Abschließend wurden mögliche Entwicklungsmodelle, Geschäftsmodelle auf der Basis von Freier Software beschrieben.

Der Vortrag ging gut 30 Minuten und wurde von anregenden Diskussionen begleitet. Abschließend lässt sich sagen, dass es eine interessante Veranstaltung war, der Workshop hat sehr viel Spaß gemacht und das gemischte Publikum wirkte sehr interessiert.